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3 mal 3 Helden auf Abschiedstour, Teil 1 — mit Puyol, Scholes und Drogba.

Nostalgie und TV-Tipps: Der Miniserie erster Teil. Alte Helden mit ihrem letzten großen Hurra. Heute Teil 1 mit Carles Puyol, Paul Scholes und Didier Drogba.

Geschrieben von Herr Wagner am 21.04.2012 um 12:29 Uhr
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Mit dem Halbfinale der alten Helden von Chelsea gegen Barca hat in der Redaktion Nostalgie Einzug gehalten. Könnte ja bald alles vorbei sein, für einige der festesten Größen des europäischen Fußballs. Irgendwann sind sie weg; irgendwann vermissen wir sie, fragen uns, wo sie hin sind.
“So jung kommen wir nicht mehr zusammen” — es ist Zeit, diesen Spruch aus der Klischeekiste zu holen. Ihn zu drehen und zu wenden und die Namen einiger Altstars herauszuschütteln, die wir nur noch für ganz kurze Zeit auf der Höhe ihrer Schaffenskraft bewundern dürfen. Für die die Sanduhr fast, aber eben noch nicht ganz abgelaufen ist. Über die nächste Woche ungefähr schauen wir auf 9 alte Helden. 9 Kurzprofile, 9 Illustration, 9 TV-Tipps.

Abschiedstour, Teil 1: Mit Puyol, Scholes und Drogba
Abschiedstour, Teil 2: Mit Raul, Lampard und Giggs
Abschiedstour, Teil 3: Del Piero, Klose und Ballack

Carles Puyol, aka "Das Monument". Am Samstag gegen Ronaldo, am Dienstag gegen Drogba. Illustration: Herr Wagner nach einem Foto Darz Mol

Carles Puyol (34), FC Barcelona

Seit der Jugend ist er bei Barca. Seit 1999 in der Profimannschaft. Seit 2001 ist er Stammspieler. Seit 2004 ihr Kapitän. Rund 100 Länderspiele. Weltmeister. Europameister. Dreifacher Sieger der Champions League, 5 Meisterschaften, und, und und.
Aber man kann ihn so nicht definieren. Kann ihn so nicht würdigen. Über Titel.
Titel mögen sein Lohn sein. Sein Charakteristikum aber ist das älteste Charakteristikum des Fußballs: der Kampf.
Er ist der Anachronismus im perfekten Tiki-Taka-Zauberwerk, das sowohl Barca als auch die spanische Nationalmannschaft zu den dominanten Kräften im Weltfußball gemacht hat.
Er ist ihr bestgehütetes Geheimnis — der Beweis dafür, dass Tiki Taka eigentlich ein defensiver Spielstil ist. Auf Ballbesitz bedacht, auf Pressing bedacht, nur möglich mit einer ultrasoliden Abwehr. Und genau dafür steht er, der Mann, der eigentlich Torwart werden wollte und nur durch eine Schulterverletzung in der Jugend über den Umweg im defensiven Mittelfeld seinen Platz im Herzen der katalanischen und der spanischen Verteidigung fand. Der zu ihrer Ikone wurde — nicht als ihr bester, aber immer als ihr wertvollster Spieler.
In den letzten Jahren hat sich das Verletzungspech gehäuft. Ganz der Alte ist er nicht mehr. Über seinen Nachfolger wird in Barcelona (natürlich unter respektvoll vorgehaltener Hand) schon heiß spekuliert.
Aber noch ist er da. Noch ist er, im schnellfüßigen Zauberfußball der Katalanen, das steingewordene wiewohl lockentragende Monument. Die Pferdelunge.
Bevor also aus Prinz Eisenherz altes Eisen wird, sollte man ihn nochmal sehen, nahe seinem Höhepunkt. Den Bulldozer, die Kampfsau unter den Künstlern: Carles Puyol i Saforcada.

DER TV-TIPP: Was sonst? Der Clásico, morgen abend, 20 Uhr deutsche Zeit (und bei uns im Ticker). Puyol gegen Ronaldo, gegen Özil, gegen Benzema, Higuian, di Maria, Kaka. Ihn einmal noch bewunndern, diesen Carles Puyol, der auf die alten Tage die verletzungsgebeutelte Abwehr der Katalanen zusammenklebt. Der weit mehr Clásico gewonen als verloren hat. Und wem das nicht reicht, der schaut ihn sich am kommenden Mittwoch im Wrestlingmatch mit Didier Drogba an.

Ein Mann, ein Club, ein Comeback. Paul Scholes, der unwahrscheinlichs Architekt der Meisterschaft 2012? Illustration: Herr Wagner nach einem Foto von James Adams

Paul Scholes (37), Manchester United

Wie Puyol ein Mann für einen Verein. United-Profi seit er 18 ist. Über Paul Scholes Karriere war bis zum Rücktritt im Mai vergangenen Jahres alles gesagt. Alle Kapitel waren geschrieben. Teil von Fergies Fledglings, der Jungspund-Truppe um Scholes, Giggs, Beckham und Neville, die wie aus dem Nichts in den frühen Neunzigern Uniteds Ära der Dominanz ins Leben riefen. Der Triumph in der Champions League 1999, mit dem bitteren Ende für die Bayern. Der Triumph 2008, mit den neuen Mannschaftskollegen Ronaldo und Rooney. 10 Meistertitel. Einige der fulminantesten Weitschüsse der Fußballgeschichte. Alles war gesagt.
Bis zum 8. Januar 2012. Da wurde, direkt vor dem FA-Cup-Viertelfinale gegen den Lokalrivalen von City, das Comeback von Paul Scholes angekündigt. Das Geschnatter war verständlicherweise laut, die Frage nach seiner Fitness virulent, nach Fergusons geistiger Gesundheit, der alten Mann zurückzurufen. Und für einen Nachmittag behielten die Neinsager recht. Scholes wurde eingewechselt, als United eine komfortable Führung gegen 10 Mann hatte — und machte mit zwei Fehlern das Spiel unfreiwillig nochmal spannend. United gewann nur sehr glücklich.
Blöde Idee, dachten sich viele. Gerade nochmal gut gegangen. Soll er jetzt einpacken und es gut sein lassen und die Legende, sie ist intakt.
Aber nicht mit Paul Scholes — auf das Fiasko des Comeback-Spiels folgte eine wunderbare Renaissance. In den 12 Ligaspielen, die Scholes seitdem bestritten hat, ist United ungeschlagen. 11 Siege, 1 Unentschieden. Bevor er zurückkam, hatte City 8 Punkte Vorsprung in der Liga. Jetzt hat ManU 5 Punkte Vorsprung.
Der offensive Mittelfeldspieler von damals ist zum 6er geworden, zum Strategen mit dem vielleicht feinsten Fuß für öffnende Bälle in der Premier League. Die Nationalmannschaft hat auch schon wieder angefragt. Aber Scholes, nie der große Nationalspieler, bleibt wohl daheim.
Vielleicht spielt er noch, bis er 40 ist. Vielleicht ist im Sommer Schluss.
So oder so, es ist Zeit, einen letzten Blick auf den kleinen Rotschopf zu werfen, der wie wenig andere mit der Geschichte eines der größten Clubs der Fußballgeschichte verworben ist.

DER TV-TIPP: Das Duell gegen City um die Stadtmeisterschaft (also auch die englische). Scholes gegen Yaya Touré, gegen Barry, Milner, vielleicht sogar, in einer bizarren Plotvariante, gegen Comebacker und Ex-ManU-Kollege Owen Hargreaves. Das Spiel steigt am 30. April, ein Montagabend. Natürlich werden wir auch dieses Spiel tickern.

The Drog -- immer noch unnachahmlich. Nächstes Opfer Barcelona? Illustration: Herr Wagner nach einem Foto von Axel Steenberg

Didier Drogba (34), Chelsea London

Didier, der sich Wälzende. Didier, der sich Beschwerende. Didier, der ungerecht Behandelte.
Didier der Schauspieler, der Schirischreck. Didier der Große.
Seit dem Comeback von rund einem Jahr Verletzungspech ist er fast wieder der Alte.
Im FA Cup Halbfinale ebnete er Chelsea kürzlich mit seinem Treffer zum 1:0 den Weg zum Finaleinzug. Sein Tor war Vintage-Drogba: Die geballte körperliche Stärke beim Ballabschirmen, seine technische Finesse, seine Athletik, mit der er den Ball am Gegenspieler vorbeiflickt, und natürlich sein unglaublicher Abschluss — in diesem Fall mit dem “schwachen” linken Fuß. Drei Sekunden Fußball, in denen er einen 50-Meter-Pass mit dem Rücken zum Tor, den Gegenspieler im Nacken annimmt, diesen raffiniert düpiert und den Ball unhaltbar in die Maschen hämmert. Drei Sekunden, die reichen, um die Frage zu stellen: wer auf der Welt kann so ein Tor noch schiessen? Von Drogba wissen wir nicht nur, daß er es kann, wir erwarten es beinahe von ihm. Seitdem er — relativ spät — mit Mitte Richtung Weltruhm aufbrach, hat es viele “neue Drogbas” gegeben, viele Stürmer, die es nach seinem Vorbild richten sollten. Aber es gibt eben immer nur ein Original. Fit und in Topform ist Drogba von keinem Verteidiger der Welt zu stoppen.
Der Ivorer ist die Ausnahme in dieser Liste. Er wirkt nicht wie jemand, bei dem bald Schluss ist. Allein, zwei Dinge stehen Mourinhos Lieblingsstürmer im Weg. Das eine ist Fernando Torres, Chelseas Rekordtransfer. Die beiden können nicht recht zusammen, die Clubführung will ihr spanisches 50-Millionen-Investment ausgezahlt sehen. Noch aber kann er sich durchsetzen, der Ivorer. Das zweite, viel gravierendere Problem: er selbst. Drogba, so munkelt es immer lauter, wechselt im kommenden Sommer aufs verfrühte Altersteil nach China. Folgt seinem Chelsea-Kollegen Anelka in das neue Millionen-Mekka in Shanghai.
Schade wär’s. Ein Rammbock von einem Stoßstürmer mit zartbesaiteten Füßen, wie wenige Spieler gleichermaßen fähig, Ecken mit Wucht zu verwandeln und selbige zu treten. Wir würden ihn sehr vermissen.

DER TV-TIPP: Die nächste Möglichkeit, diesen wunderbaren Stürmer in Aktion zu sehen, vielleicht die letzte in einem großen europäischen Spiel, sie kommt am kommenden Dienstag, im Champions-League-Halbfinalrückspiel gegen den FC Barcelona. Chelsea geht in dieses Duell gegen die Übermannschaft aus Katalonien völlig überraschend mit einer Führung. Dank wem? Dank Didier Drogba, dank dem, der sich wälzt, dem, der unnachahmliche Mienen zieht, dem, den man den Großen nennen muss.

Teil 2 der Abschiedstour mit drei neuen Helden, drei neuen Illustrationen und drei neuen neuen TV-Tipps erscheint kommenden Freitag.

Hier geht’s zu Abschiedstour, Teil 2: Mit Raul, Lampard und Giggs


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2 Kommentare für diesen Artikel

  1. [...] ein Bier, an dem er sich die Finger kühlen kann. Einen schönen Pausentee hat euch Mama Wagner mit Teil 1 unserer Abschiedstourserie gekocht. Dort schauen wir auf alte Helden, die wir nicht mehr lange bewundern dürfen, weil das [...]


  2. [...] Aufwärmliteratur zu Lampard und Drogba gibt’s hier und hier. [...]

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