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Diplomatie ist des Fußballs größte Stärke

Geoff Shreeves beleidigt mit seinem taktlosen Interview nach dem Champions League Halbfinale, den Geschmack der Höflichkeit im Land der Gentlemen. Wir geben Branislav Ivanovic Anschauungsunterricht für den zukünftigen Umgang mit dem charmanten Reporter.

Geschrieben von Herr Salzmann am 27.04.2012 um 20:19 Uhr
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Für die Spieler des FC Chelsea ist es der größte Abend seit der Meisterschaft 2010. Auf europäischer Bühne ist dem Verein wohl nie ein Sieg in einem so ausweglos anmutendem Spiel, wie diesem gegen die Übermannschaft aus Barcelona gelungen. Mit 2:0 lagen die Londoner bereits im Halbfinal Rückspiel der Champions League im Camp Nou zurück, bevor sie das Spiel noch drehten – mit 10 Mann. Nach der heroischen Abwehrschlacht explodierte die Bank der Londoner. Die auf dem Platz stehenden Spieler fielen sich überglücklich und müde in die Arme. Frank Lampard würde von der Surrealität der Ereignisse des Abends sprechen. Der Verein würde entgegen aller Vorhersagen, die Chance bekommen sich des großen Traumas zu entledigen, das er bei seiner Niederlage gegen Manchester United im Finale der Champions League 2009 erlitten hatte. Und das nach diesem Sieg. Gegen die beste Mannschaft der letzten Jahre, die als unschlagbar betitelt worden war, die von einigen bereits zur besten Vereinsmannschaft aller Zeiten erhoben worden war.

Grund zum Feiern, würde man meinen. Für Journalisten, Grund den Enthusiasmus der Spieler einzufangen, würde man meinen. Doch Geoff Shreeves vom englischen Bezahlsender Sky hatte einen anderen Plan. In seinem Interview mit Branislav Ivanovic nach dem Spiel machte er den serbischen Abwehrhühnen darauf aufmerksam, daß er wegen der gelben Karte, die er im Spiel gesehen hatte, nicht im Finale würde spielen dürfen. Ein Schock für Ivanovic, der hilfesuchend zu den neben ihm stehenden Mitspielern blickt, dessen Stimme kurz anfängt zu zittern und der so aussieht, als ob er Krokodilstränen weinen könnte. Er gewinnt seine Fassung zurück und ringt sich eins der schmerzhaftesten Lächeln der Fußballgeschichte ab, während er offensichtlich versucht einen zentnerschweren Frosch zu schlucken.

Für die englische Presse ein Skandal. Ein platter, unmoralischer und mit Wonne unternommener Versuch Ivanovic vor laufender Kamera zum Weinen zu bringen. Für das Internet ein gefundenes Fressen zum Parodieren. In einer Version analysiert Bart Simpson das Interview, eine andere drückt per Zeitlupe richtig auf’s Gemüt.

Ivanovic wurde von Shreeves überrumpelt, was im Kontext des gesamten Interviews mit allen drei Spielern besonders klar wird. In der Geschichte des Fußballs haben das freilich bei weitem nicht alle Spieler zugelassen. Matthias Sammer, beispielsweise, hatte schon immer ein freundliches Wort für Journalisten übrig und bläst nach einer kritischen Frage zum Gegenangriff, Lothar Matthäus, lässt es gar nicht erst zu kritischen Fragen kommen und selbst der häufig unsouverän wirkende Erich Ribbeck hat eine knackige Antwort für unfreundliche Journalistenfragen.

Vielleicht hätte es Ivanovic auch geholfen, bei der Antwort auf Shreeves gemeine Frage von Thierry Henry beraten zu werden. Stefan Effenberg, auf der anderen Seite, hatte dies noch nie nötig. Er faucht seine Gegner ohne fremde Hilfe zusammen. Tottenhams Trainer Harry Redknapp beantwortet die Frage eines Journalisten, der seine Transferaktivitäten mit den Geschäften eines Gebrauchtwagenhändlers vergleicht mit äußerst deftigen Worten.

Schließlich wäre es auch interessant geworden, wenn Shreeves seine Frage Christian Grindheim, oder Janusz Góra gestellt hätte.


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