Die automatische Aktualisierung wurde angehalten, damit du Deinen Kommentar in Ruhe zu Ende schreiben kannst. Wenn du deinen Kommentar abgeschickt hast oder ihn doch nicht mehr schreiben willst, klick einfach einmal außerhalb des Kommentarfelds — dann aktualisiert der Ticker auch wieder.

Flatterball ist der Blog für Fußballgeschichten mit dem wöchentlichen & zurecht fast weltberühmten Podcast.

11 Helden, eine Bildergalerie: Die Helden der Saison 2011/12

DIe Saison ist vorbei, die Handlungstränge zusammengeführt, die Pokale verteilt. Bevor uns mit der EM neue Geschichten ins Haus stehen, wagen wir den Rückblick auf Flatterball-Art. Herr Wagner zückt das Malbuch, Herr Salzmann tackert in die Tasten — herausgekommen sind 11 Artworks und 11 kurze Geschichten für 11 Helden der abgelaufenen Saison — und unsere allererste Bildergalerie. Von Platz 11 bis 1 wünschen wir viel Vergnügen beim Glotzen, Lesen und Kommentieren!

26.05.2012, 10:53 Uhr // Illustrationen: Herr Wagner // Texte: Herr Salzmann & Herr Wagner
5Bildwelten kommentieren
Bild 0 von 0
Es wollte so gar nicht passen – der nordenglische Arbeiterklub aus <strong>Newcastle</strong> und <strong>Alan Pardew</strong>, ein smarter Südengländer, der nach Erfolgen mit Reading und West Ham zu Beginn seiner Trainerkarriere stark abgebaut hatte und hauptsächlich wegen seiner Überheblichkeit bekannt war. Pardew aber begriff die sich völlig überraschend bietende Chance. Abseits des Rampenlichts strickte der bald liebevoll als Pardiola gefeierte Coach Newcastle zur Überraschungsmannschaft der Premier League. Er forderte die ganz Großen heraus, etwas, das seit Everton 2006 keiner Mannschaft mehr gelungen war. Pardews Charakteristika: Ein feines Näschen für Transferschnäppchen (u.a. Demba Ba, Cissé, Cabayé), die Fähigkeit, ungesehenes Potential aus ehemaligen Rumpelfußballern zu kitzeln, und ein flotter, ebenso direkter wie offensiver Spielstil. Der Lohn: Tabellenplatz 5 und die Auszeichnung als Englands Manager des Jahres.<strong>Roberto Martinez</strong> hat in den letzten drei Spielzeiten in <strong>Wigan</strong> Wunder gewirkt. In jeder Saison mit winzigem Budget angetreten und während der Saison früher oder später abgeschrieben, startete seine Mannschaft auf der Zielgeraden immer wieder furiose Aufholjagden. Keine war beeindruckender als die Diesjährige. Der kleine nordenglische Klub gewann 7 seiner letzten 9 Spiele. Darunter waren die ersten Siege der Vereinsgeschichte in Liverpool, bei Arsenal und gegen Manchester United und nebenbei fegte man noch Pardews Superelf aus Newcastle vom Platz. Als ob das nicht genug wäre, tat man all dies auch noch mit dynamischem Kurzpassspiel, mit Hackentricks und Lupfertoren. Martinez ist in drei Jahren englischem Abstiegskampf nicht von seiner Idee des modernen Offensivfußballs abgewichen und hat mit seiner Mannschaft in den letzten Wochen Geschichte geschrieben.Der argentinische Fußballphilosoph <strong>Marcelo Bielsa</strong> und seine baskische Rasselbande verzauberten in dieser Saison mit ihrem Hochgeschwindigkeitsfußball ganz Europa. Ein 2:2 in der Hinrunde gegen den FC Barcelona sorgte für erstes Aufsehen. Bei der Umarmung nach dem Spiel sagte Pep Guardiola zu Bielsa: "Deine Spieler sind Bestien!" Ein Kompliment für den aufopferungsvollen Kampf, den <strong>Athletic Bilbaos</strong> Spieler  im Laufe der Saison noch steigern konnten. Taktisch setzte der als El Loco bekannte Bielsa bei Athletic mit der Axt an. Er schuf neue flüssige Formationen, ließ Welttalente wie Muniain und Javi Martinez auf für sie fremden Positionen spielen -- mit Riesenerfolg. Die Mannschaft schaffte das vielleicht erinnerungswürdigste Spiel der europäischen Saison auswärts bei Manchester United, wo der Verrückte den Ritter Alex mit 3:2 schlug.In Spanien wurde bereits aufgehorcht, als <strong>Diego Simeone</strong> Anfang Januar verpflichtet wurde. Der Beißer, während seiner aktiven Karriere bekannt für seine überrauhe, steinharte Spielweise, sollte den lustlosen Diven von <strong>Atletico Madrid</strong> Feuer unterm Arsch machen. Und wie er das tat. Die Mannschaft ist seit seiner Anstellung nicht wieder zu erkennen. Ein seit Jahren bestehendes Phlegma wurde pulverisiert, Edeltechniker wie Diego oder Arda Turan wurden zu Kampfsäuen. An der Seitenlinie gestikulierte der Chef selbst wild, fluchte, zeterte und beleidigte. Sein Charakter ist immer noch umstritten, der Erfolg, den er in seinen fünf Monaten mit Atletico hatte, nicht. Nur 5 Niederlagen aus 31 Spielen, das Klettern von Platz 10 auf Platz 5 in der Tabelle und die Krönung mit dem Titel in der Europa League -- alles Zeugnisse seiner Arbeit. Das Beeindruckendste ist jedoch der Stiefel, den seine Mannschaft spielt. Ob man es mag oder nicht: für den kleinen Madrider Klub stehen jetzt 11 Beißer auf dem Platz.Die <strong>alten Helden des FC Chelsea</strong> drohten in dieser Saison zu verblassen. Anführer <strong>Terry</strong> schien nur noch fähig, seinen ohnehin schon miserablen Ruf weiter aufs Übelste zu ruinieren, Regisseur <strong>Lampard</strong> spielte unter Villas-Boas nur noch zweite Geige und um <strong>Drogba</strong> gab es in der Wintertranfserperiode Gerüchte über einen frühzeitigen Weggang. Jetzt sitzen sie zusammen dort, wo bereits seit Jahren ihr erklärtes Ziel liegt: auf dem Thron Europas. Vor allem der Ivorer glänzte im Endspurt der Londoner. Sowohl im FA Cup Finale als auch in den Champions-League-Duellen mit Barcelona (bei dem er im Rückspiel Linksverteidiger spielte) und den Bayern markierte er entscheidende Treffer. In seiner Karriere hat Drogba in neun Finals neun Tore erziehlt. Mit seinen 34 Jahren ist der Ivorer in Topform noch immer von keinem Verteidiger der Welt aufzuhalten, mit seiner letzten Ballberührung im Trikot des FC Chelsea hat er sich ein Denkmal gesetzt.Ungeschlagener Meister. Eine Riesenleistung, erreicht mit Riesenfußball. Die seit dem Zwangsabstieg schnell zurückgekehrte, aber in der Serie A seitdem kriselnde <strong>alte Dame</strong> hat die Konkurrenten in dieser Saison am Kragen gepackt und sie so lange geschüttelt, bis sie sich ergeben haben. Mit energiegeladenem, laufintensivem und direktem Fußball eroberte Juve die Liga. Herzstück des Ganzen: <strong>Andrea Pirlo</strong>, der filigrane Anti-Schufter. Ablösefrei von Milan gekommen, zelebrierte er seine Rolle als Regisseur wie zu besten Zeiten. <strong>Alessandro del Piero</strong> schoss zum Abschied mit einem fulminanten Freistoß eins der entscheidenden Tore zur Meisterschaft. Eine Saison wie gemacht für Heldenverehrung. Doch ein wenig Ungerechtigkeit bleibt. Der Verein übermalte die eigene Geschichte, indem er den 30. statt den 28. Titel feierte und so relativ plump versuchte, die Erinnerung an Calciopoli zu verdrängen. Also geben wir die Gemeinheit zurück und lassen den eigentlichen Helden, Trainer <strong>Antonio Conte</strong>, aus dem Bild.Ich bin in einem strengen Glauben erzogen worden: Niemand schlägt Gerd Müllers Rekorde. Damals wusste die Welt aber noch nichts von <strong>Lionel Messi</strong>. 73 sind’s dann am Ende. 73! Und da schlägt nun einer des Bombers ewigen Rekord und ist trotzdem nicht der größte Held des Jahres? Es war die gewohnt brillante Saison der Katalanen. Brillant – bis auf eine schicksalsträchtige Woche im April, in der Real die Meisterschaft entschied und Chelsea sie aus der Champions League mauerte. Eine Woche, in der die Übermannschaft, die doch sicher als erster die Königsklasse verteidigen würde, menschlich schien. <a href="http://flatterball.net/2012/05/72-tore-in-einem-jahr-lionel-messi-friedrich-nietzsche-und-der-reumutige-ubermensch/" target="_blank">In der Friedrich Nietzsche zu wüten begann.</a> Eine Woche, in der Lionel Messi gegen Wände lief, wo sonst hilflose Verteidiger standen. Eine Woche, in der <strong>Pep Guardiola</strong> merkte, dass er ausgebrannt war. Der spanische Pokal ist ein Trostpflaster nach vier Jahren der besten Trainer-Spieler-Paarung dieser Ära. Soviel Brillanz – und trotzdem Platz 5. Aber ach, aber ja, der Mannschaftserfolg. Die Messlatte, die die vergangenen drei Jahre darstellen. Unfassbar, dennoch. Wir heben die Kinnlade auf und gehen weiter.100 Punkte für Real. 61 Saisontore für <strong>Cristiano Ronaldo</strong>. Nackte Zahlen, mindestens so beeindruckend wie des Portugiesen Bizeps, den er selbst so innig liebt. Der Wunderknabe wurde von Lionel Messi an allen Ecken und Enden übertroffen, aber schließlich schaffte er es, seine Ladehemmungen gegen den FC Barcelona zu überwinden und das entscheidende Tor im Titelkampf zu erzielen. Das Ende der Serie der Blaugrana ist ein Coup, der hart und mit vielen schmerzhaften Rückschlägen erarbeitet wurde. <strong>Mourinho</strong> wurde seit seiner Ankunft in Spanien von Guardiola in taktischen Belangen immer wieder vorgeführt. Auch in dieser Saison schienen die Madrilenen keine Antwort auf den katalanischen Angriffswirbel zu haben -- bis zum Pokalrückspiel im Januar, in dem Real ausschied, aber als moralischer Sieger vom Platz ging. Jetzt könnte eine neue Ära anbrechen. Angeführt von Moralapostel Mourinho, der Barcelonas kommenden Trainer Tito Villanova zu Beginn der Saison bereits vorsorglich seinen Finger ins Auge rammte.Die jungen Talente in den Reihen des <strong>französischen Meisters Montpellier</strong> waren vor der Saison höchstens Experten bekannt. Das ist heute anders. Gerade Stürmer <strong>Olivier Giroud</strong> und Spielmacher <strong>Younes Belhanda</strong> ermöglichten mit ihren Leistungen die Aschenputtelgeschichte des europäischen Fußballjahres. Belhanda, marokkanischer Nationalspieler, ist mit seinen präzisen Pässen und unverfrorenen Dribblings zu einem der begehrtesten jungen Spieler Europas geworden. Giroud dagegen ist mit seinen 25 Jahren für den Begriff „Talent“ eigentlich zu alt; er ist der heute selten gewordene Spätstarter. Noch vor sieben Jahren erklärte ihm ein Trainer, dass er für die zweite Liga zu schwach sei. 21 Saisontore (und 9 Vorlagen) entlarven dieses Urteil als die französische Variante von Mumpitz. Giroud und Belhanda schossen den Provinzclub mit dem nur dreizehntgrößten Budget der Liga zur ersten Meisterschaft in der Vereinsgeschichte – und ließen dabei die finanziell übermächtigen Hauptstädter von Paris Saint-Germain hinter sich.Über <strong>Manchester City</strong> lässt sich trefflich schimpfen: Zusammengekaufte Egoisten-Truppe z.B., wandelnde Öl-Werbung, das Ende des Fußballs. Alles nachvollziehbar – aber am Geschehen auf dem grünen Rasen vorbei. City war in dieser Saison die Unterhaltungsmaschine des Fußballs. So viel Theater, so viel spielerisches Feuerwerk. Die Tevez-Saga, vom Streik über den Golfurlaub bis zur unwahrscheinlichen Rückkehr; das 6-1 gegen den vormals übermächtigen Stadtrivalen, pointiert durch <strong>Mario „Why always me“ Balotellis</strong> T-Shirt des Jahres; das Drama des letzten Spieltags, über den man nun wirklich nichts mehr sagen muss. Immer mittendrin: Maradonnas torgefährlicher Schwiegersohn <strong>Sergio Aguero</strong>, <strong>Yaya Touré</strong>, der Bulldozer im Mittelfeld, <strong>Roberto Mancinis</strong> Brillanz (und sein eigenwilliges Englisch) und natürlich der glänzend ruhige Kapitän: <strong>Vincent Kompany</strong>, der scheinbar jede Form von Klubführung sympathisch machen kann. City war mehr dieses Jahr als die beste englische Mannschaft – es lässt seine Anhänger nach 44 Jahren Meisterschaftsdürre von einer Ära der Dominanz träumen. In Manchester und anderswo.Der <strong>BVB</strong> hat mit den Bayern veranstaltet, was City mit United gemacht hat. Allein, der Weg zum Ziel ist um Einiges beeindruckender. Ohne Scheich-Millionen und mit eigenen Talenten, zum zweiten Mal in Folge und ganz ohne Einbruch des Gegners. Nun hat der Erfolg bekanntlich eine ganze Reihe Väter (gewissermaßen wie sprechende Babys in Hollywood-Komödien über Patchwork-Familien). Die Nebenpapas sind Zorc und Watzke – der Chef unter den Erfolgsvätern aber ist natürlich <strong>Jürgen Klopp</strong>. Vom Zweitligastürmer und ZDF-Experten zum Trainersuperstar – wer hat das kommen sehen? Innerhalb kürzester Zeit ist in Dortmund eine Mannschaft gereift, die gespickt ist mit jungen Talenten. Europaweit lecken sich die Scouts nach Götze, Lewandowski, Hummels, Kagawa, Subotic & Co. die neidvollen Finger. Das beste: Klopp(o)s Erfolg ist nicht das Ergebnis von Geld – er hat sich, ganz dem Pott verbunden, mit Glück und Fleiß und viel, viel kluger und harter Arbeit beim BVB seine eigene, zur Realität mutierte Traumwelt geschaffen.

5 Kommentare für diesen Artikel

  1. Calvecco sagt:

    Sehr schön, Jungs!


  2. Thibaut sagt:

    Die Bildergalerie ist echt gut gelungen… wenn’s nicht zu viel Mühe macht bitte öfter =D


  3. Herr Wagner sagt:

    Merci.

    @Thibaut: Ist in Planung.


  4. Oli Stb sagt:

    Super Sache!
    flatterball.net wird immer besser 😉


  5. Flo sagt:

    Smarte Galerie. Gute Arbeit.

Schreibe einen Kommentar