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3 mal 3 Helden auf Abschiedstour, Teil 3 — mit Del Piero, Klose und Ballack

Nostalgie und TV-Tipps: Der Miniserie letzter Teil. Alte Helden mit ihrem letzten großen Hurra, heute mit Michael Ballack, Miroslav Klose und Alessandro Del Piero.

Geschrieben von Die Redaktion am 05.05.2012 um 08:48 Uhr
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Auch der letzte Teil unserer Miniserie schaut auf drei alte Helden, die wir nur noch für ganz kurze Zeit auf der Höhe ihrer Schaffenskraft bewundern dürfen. Wieder mit drei neuen Illustrationen und drei neuen TV-Tipps.

Abschiedstour, Teil 1: Puyol, Scholes und Drogba
Abschiedstour, Teil 2: Raul, Lampard und Giggs
Abschiedstour, Teil 3: Del Piero, Klose und Ballack

Die Nummer 10. die Ikone der alten Dame: Alessadro Del Piero. Illustration: Herr Wagner nach einem Foto von James Adams

Alessandro Del Piero (37), Juventus Turin (noch)

In knapp einem Monat wird Alessandro Del Piero die längste Zeit die amtierende Ikone der alten Dame aus Turin gewesen sein. Sein Vertrag läuft im Sommer aus und wird nicht verlängert. Eine Abschiedstour in der Premier League ist momentan das wahrscheinlichste der vielen Gerüchte, die sich um die berühmteste italienische Nummer 10 seit Roberto Baggio ranken.
Während bei Raúl die Alterserscheinungen bisher nur bei hoher Belastung zu Tage treten, nähert sich der 37jährige Del Piero dem letzten Blatt auf dem absteigenden Ast. Zuletzt war er bei Juve nur noch selten genutzter Einwechselspieler. Die Liebe der Fans aber ist ungebrochen für den Mann, der 1993 von Calcio Padova aus der zweiten Liga nach Turin wechselte. Jetzt, 19 Jahre später, in seinem letzten Sommer bei der Alten Dame, könnte seine Karriere einen perfekten Kreis beschreiben. Vor rund einem Monat feierte Del Piero sein 700tes Spiel für den Club mit seinem 289. Tor.
Es war ein klassischer Del-Piero-Moment. Ein enges Spiel gegen den Tabellendritten, Miro Kloses Lazio Rom. Spielstand 1:1. 82. Minute. Del Piero, 10 Minuten zuvor eingewechselt, macht sich bereit für einen Freistoß aus rund 25 Metern. Anlauf, Schlenzer über die Mauer, Winkel. Unhaltbar. Das Stadion explodiert. Sie wissen, einen wie den hat selbst der italienische Rekordmeister nur selten zu bieten.

DER TV-TIPP: Das Finale der Copa Italia am 20. Mai. Das italienische Pokalfinale ist nicht nur der Abschluss der italienischen Saison, nicht nur Del Pieros letztes Spiel für die alte Dame. Es ist, einen Tag nach dem Finale der Champions League in München, der letzte europäische Leckerbissen vor dem Start der EM. Besonderer Bonus: Es geht gegen den launischen Wundersturm vom SSC Neapel, der vielleicht seinerseits zum letzten Mal in dieser Form zusammenspielt, bevor ihn den Transfersommer schluckt. Ein Grund für das Schlucken könnte die Titellosigkeit der letzten Jahre sein, die Alessandro Del Piero an diesem seinen letzten Tag für Juve in Stein meißeln könnte.

National-Miro und sein letztes internationalen Hurra? Illustration: Herr Wagner nach einem Foto von Paul Blank

Miroslav Klose (33), Lazio Rom

Miroslav Klose in diese Serie aufzunehmen ist riskant. Die Möglichkeit besteht, dass er noch ein paar Jahre sehr erfolgreich Fußball spielt, dass er gerade erst mit seiner Karriere im Ausland begonnen hat und weit von einer Abschiedstour entfernt ist. Klose ist ein Spätstarter. Er machte zunächst eine Zimmermannsausbildung und spielte Amateurfußball, bevor er mit 22 Jahren seinen ersten Profivertrag unterschrieb. Ermüdungserscheinungen oder Anzeichen für einen Motivationsverlust gibt es bei ihm keine. Außerdem ist seine Spielanlage nicht so sehr auf Dynamik und Schnelligkeit ausgelegt, dass man davon ausgehen muss, er könne schon bald nicht mehr im Konzert der Großen mithalten. Seins ist viel mehr das Lesen von Spielsituation, eine aufreibende Spielweise und der undefinierbare Torriecher. Abgeschrieben war er schon ein paar Mal. Nicht zuletzt vor der WM 2010 und nach seinem Weggang vom FC Bayern.
Bis jetzt ist er immer wiedergekommen. Die aktuelle Saison begann er mit einem Tor beim Pflichtspieldebüt für Lazio in der Europa League Qualifikation, kurz darauf traf er im ersten Ligaspiel gegen den AC Mailand. Spätestens seit seinem frenetisch gefeierten Siegtreffer in der letzten Minute des Derbys gegen den AS Rom ist der gerade im Ausland chronisch unterschätzte Torjäger zum Fanliebling bei den Hellblauen aufgestiegen. Stellt sich die Frage, ob man das will. Die für ihre faschistoiden Züge bekannten Lazio Fans feierten den Deutschen unter anderem mit einem Transparent, das die Aufschrift ‚Klose mit uns‘ trug – in Anlehnung an das von der Wehrmacht benutzte ‚Gott mit uns‘. Die beiden „s“ waren in Runenform geschrieben, ebenso wie es bei der SS üblich war. Klose reagierte mit erschreckender Kritiklosigkeit. Er sagte, dass Politik und Fußball nicht vermischt werden und Erstere außerhalb des Stadions bleiben solle. Vielleicht ist das die Grundvoraussetzung für eine ausgedehnte Karriere bei Lazio.
Sein mittlerweile siebenwöchiger verletzungsbedingter Ausfall überschneidet sich mit Lazios Formverlust. Die Römer haben Punkte im Rennen um die internationalen Plätze eingebüßt und hoffen darauf, dass er gegen Bergamo am Sonntag wieder auf der Bank sitzt.

DER TV-TIPP: Am Sonntag dem 13.5. um 20.45 Uhr, dem letzten Spieltag der Serie A, spielt Lazio Rom im direkten Duell um die internationalen Plätze gegen Inter Mailand. Ein absolutes Topspiel und die große Bühne für einen, der mit 14 Toren gemeinsam mit Gerd Müller – und nur einen Treffer hinter Ronaldo – auf Platz zwei der Liste der erfolgreichsten WM-Torschützen aller Zeiten steht. Er braucht auch nur noch fünf Tore für Müllers Torrekord in der Nationalmannschaft und das, obwohl er sich vor allem über seine mannschaftsdienliche Spielweise definiert. Trotzdem wird er bislang nicht in einem Atemzug mit den größten Stürmern der Geschichte genannt. Möglich, dass das erst nach seiner Karriere der Fall sein wird. Ein Grund mehr ihn sich jetzt nochmal anzuschauen.

Zu stolz zum Abtreten? Deutschlands ehemaliger Capitano. Illustration: Herr Wagner nach einem Foto von Новикова Юлия

Michael Ballack (35), Bayer Leverkusen (noch)

Die Ex-Wade der Nation wird die Liga verlassen. Wohin genau sein Weg führt steht dabei offen. Dem Mann, der selbst durch nur kleine Wehwehchen bereits halbe Staatskrisen auslösen konnte, der ehemals allen Ernstes und in aller Munde „unser Capitano“ hieß, der jahrelang der einzige Weltklasse Spieler Deutschlands war, weint heute niemand hinterher. Wie sehr und wie schnell Ballack in der Gunst der deutschen Fußballöffentlichkeit gesunken ist, ist erstaunlich. Noch vor zwei Jahren symbolisierte er die einzige Hoffnung der Nationalmannschaft auf ein erfolgreiches WM Turnier in Südafrika. Dann kam der Tritt von Kevin-Prince Boateng im englischen Pokalfinale, der Ballack die Teilnahme am Kap kostete und Boateng zum Staatsfeind Nummer eins machte.
Es folgte das furiose Auftreten der jugendlichen Truppe von Joachim Löw bei der WM. Ballack, vor Ort um die Mannschaft zu unterstützen, wurde noch während des Turniers von Ersatzkapitän Philip Lahm, in einem mit dem Bundestrainer abgesprochenen Interview, als Kapitän in Frage gestellt. In den Medien und in den Kneipen wurde diskutiert, ob die Mannschaft mit ihm überhaupt noch stärker wäre. Oder sogar schon schwächer. Plötzlich fiel vielen auch das häufig großspurige und überhebliche Verhalten ihres ehemaligen Idols auf. Ballack musste innerhalb kürzester Zeit feststellen, dass seine Beliebtheit auf nichts anderem als dem Erfolg im Nationaltrikot zurückzuführen war. Kurze Zeit später würde niemand mehr verdonnert werden, wenn er die ehemalige Galeonsfigur des deutschen Fußballs umsäbelte.
Für Ballack muss dies ein schmerzhafter Schlag ins Gesicht gewesen sein. Nicht zu vergleichen mit dem Lukas Podolskis. Da stieg eher „Iron“ Mike Tyson mit ihm in den Ring. Bei Leverkusen versuchte er zurück zu schlagen, kämpfte unter Heynckes jedoch lange mit Fitnessproblemen und als Robin Dutt kam, war das Verhältnis mit dem neuen Trainer schon vor dem Start der Saison frostig. Die beiden rieben sich mit ihrer Wichtigtuerei aneinander auf und zerstörten sich eigenhändig und gegenseitig ihre Karrieren bei Bayer. Der eine, weil er sich bei einem großen Verein etablieren wollte und meinte ein Exempel statuieren zu müssen, der andere weil sein übergroßes Ego es nicht anders zu ließ. Ende Januar diesen Jahres kam es endgültig zum Bruch und Ballack musste bis in den April warten, bis er wieder spielen durfte.
Über seine Zeit in Leverkusen sagt er: „Unter sportlichen Gesichtspunkten war es für mich zum Vergessen!“ Eine andere Bewertung würde man ihm auch schwerlich abnehmen. Auch diese, so scheint es, geht nicht weit genug. Aber selbst, wenn er langsamer geworden ist, bleibt seine Präsenz auf dem Platz faszinierend. Dieser selbstverliebte Arroganzbolzen hat seine Klasse bei weitem noch nicht eingebüßt. Schaut ihn euch an, den Capitano, wie er ein letztes Mal in der Bundesliga das Zepter schwingt.

DER TV-TIPP: Am letzten Spieltag der Bundesliga empfängt der 1. FC Nürnberg Bayer Leverkusen im Kampf um die Europa League Plätze. Zeit für ein letztes großes Hurra. Schwelgt noch einmal, in der Erinnerung an eine Zeit im deutschen Fußball, als der Leitwolf noch gefragt war. Samstag 5.5., 15.30h.


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