Die automatische Aktualisierung wurde angehalten, damit du Deinen Kommentar in Ruhe zu Ende schreiben kannst. Wenn du deinen Kommentar abgeschickt hast oder ihn doch nicht mehr schreiben willst, klick einfach einmal außerhalb des Kommentarfelds — dann aktualisiert der Ticker auch wieder.

Flatterball ist der Blog für Fußballgeschichten mit dem wöchentlichen & zurecht fast weltberühmten Podcast.
0Boulevard kommentieren

1. Vincent Kompany oder der Tag des Arbeiters

In England sollte der gestrige 30. April zum Tag der Arbeit erkoren werden. Der Grund: Vincent Kompany, Manchester Citys innenverteidigender Kapitän und Schütze des Siegtors im Duell um die Krone des englischen Fußballs.

Der Arbeiter. Illustration: Herr Wagner nach einem Foto von Steindy

Als Kompany den entscheidenden Kopfball in der Nachspielzeit der ersten Hälfte über die gesamte Innenverteidigung des Rekordmeisters und Stadtrivalen hinweg ins Tor wuchtet, kann ihn keiner stoppen. Kompany ist seinen Kontrahenten körperlich eine Klasse voraus. Was gestern in einen Moment geballt reicht, die Vorentscheidung im Titelrennen herbeizuführen, waren für Kompany jahrelange Arbeit; was nun ein Muskelpaket mit Kapitänsbinde ist, sah noch ganz anders aus, vor rund 6 Jahren, als er in das Bewusstsein der breiteren europäischen Fußballöffentlichkeit aufstieg.

Als spindeldürrer 20jähriger hatte er 2006 beim HSV angeheuert. Die Kommentatoren der Hansestadt waren verzückt. Beckenbauer-Vergleiche wurde angestimmt — und sie waren, wiewohl verfrüht, auch nicht ganz fehlgeleitet. Ein eleganter, hochaufgeschossener Spielertyp, der irgendwo zwischen Abwehrkette und defensivem Mittelfeld pendelt; fast ein Libero alter Schule, mit einem hervorragenden Auge für den langen Ball und einem ebenso guten Füßchen. Dazu ein gleichermaßen launisches wie leidenschaftliches Gemüt — wer mag da nicht vom Kaiser träumen?

6 Jahre später ist wenig vom alten Bild üblich. Lange Bälle spielt Kompany nur noch in höchster Not; ins Angriffsspiel schaltet sich Kompany eigentlich nur noch bei Standards ein. Aus dem mobilen Defensivspielmacher ist ein Premier-League-Verteidiger geworden, wie er im Buche steht. Bretthart, gleichermaßen kompromiss- wie humorlos.

Mit dem gestrigen Abend ist die Wandlung von Vincent Kompany perfekt: vom genialischen Defensivtalent zum erfolgshungrigen Arbeiter. Manchester City kann’s recht sein. Nach 6 Jahren Kraftraining und einem Jahr Kapitänsbürde braucht Vincent Kompany bis auf den Beckenbauer-Vergleich keine Vergleiche mehr zu scheuen. An den gestrigen Abend, den größten Moment seiner immer noch jungen Karriere, wird sich lange erinnern — vorausgesetzt: City wird Meister. Und vorausgesetzt, City wird Meister, wird man sich in ein paar Jahren an diesen Moment vielleicht als etwas bedeutend Größeres erinnern: als den Anfang einer Ära, gesetzt von einem ehemals spindeldürren Belgier, der auszog, um zu arbeiten.

2. Abteilung Karneval: Tschö, Lukas!

Der Prinz hat die Schnauze voll. Illustration: Herr Wagner nach einem Foto von Steindy

Die Saga hat ein Ende. Der Prinz aus Köln verlässt den Karnevalsverein, der mit der Verkündung des Transfers seinem Namen erneut alle Ehre gemacht hat.

Mitten in den Abstiegskampf ging die Nachricht, dass Podolski und der FC Arsenal sich nach rund 4 Monaten meist stillem Transferpoker nicht nur einig sein, sondern dass nun auch die Unterschrift aufs Papier gebracht und der medizinische Check absolviert wäre.

Das möglicherweise saisonbesiegelnde Spiel gegen den SC Freiburg verkam da zur Makulatur: 4-1 ging der FC im tiefsten Abstiegskampf gegen eine Mannschaft unter, die seit einigen Wochen im sicheren Tabellenniemandsland vor sich hinkickt. Podolskis zwischenzeitlicher Ausgleich — der so wichtig hätte sein können — versank im statistischen Einerlei der Geschichtskladden.

Bleibt kaum mehr, als ihm alles Gute zu wünschen, dem Prinzen, der die Bundesliga und die Nationalmannschaft für nunmehr 8 Jahre immer dieses kleine bißchen interessanter gemacht hat.

Bleibt nicht viel mehr, als ihm einen würdigen Abgang zu wünschen, am letzten Spieltag gegen die Ex-Arbeitgeber aus München und vielleicht im Relegationskick, in dem, so der Fußballgott will, das Kölner Urgewächs seinen Legendenstatus ausgerechnet gegen den alten Lokalrivalen aus Düsseldorf untermauern kann.

Bleibt schließlich nichts, als ihm alles Gute zu wünschen, im wohlverdienten Aufbruch in einer bessere sportliche Zukunft.

 


0Boulevard kommentieren
 

Schreibe einen Kommentar