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Flatterball ist der Blog für Fußballgeschichten mit dem wöchentlichen & zurecht fast weltberühmten Podcast.
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1. Abteilung Auf’s Maul: Delio Rossis Faustschlag und ein gescheiterter Masterplan

In Podcast #73 haben wir’s erzählt, in der aktuellen Videokiste haben wir’s zum Zwecke eures höchstpersönlichen Vergustierens feilgeboten, aber wie häufig man es auch erzählt, es ist das Geschichtchen unter der Geschichtchen der abgelaufenen Fußballwoche. Delio Rossi, nun seit genau einer Woche Ex-Trainer der Fiorentina, lässt per Fauschlag seine Wut an Adem Ljacic aus. Woher seine Wut kommt, ist nicht überliefert. Denn bis hierhin sah es ganz ordentlich aus für Delio Rossi, Fiorentina-Chef.

Im November übernimmt der Mann, der in gut 20 Jahren Trainerlaufbahn meist mittelklassige Erst- und Zweitligavereine trainiert hat, vom enttäuschenden Sinisa Mihailovic den Posten als Florenzer Trainer. Die Fiorentina, das war mal eine Adresse von internationalem Rang. Die Fiorentina, das sollte eine solche Adresse schnellstmöglich wieder werden. Der Kader dafür schien da: gefüllt mit gestandenen Serie-A-Stars wie Riccardo Montolivo oder Juves Ex-Stürmer Amauri, gefüllt auch mit hochgehandelten Jungstars wie Stefan Jovetic oder Adem Ljajić. Mihailovic enttäuscht, Delio Rossi übernimmt und führt die Mannschaft aus der Abstiegszone in die gesicherte tabellarische Bedeutungslosigkeit.

Das reichte Delio Rossi offenbar nicht. Am vergangenen Mittwoch — der Abstieg war rechnerisch noch möglich, aber bereits arg unwahrscheinlich geworden — packt Delio Rossi tief in die Strategiekiste und holt etwas heraus, dass er als ungeschliffenen Taktikdiamant identifiziert: Besagter Adem Ljajić, etatmäßiger Spielmacher, ein bisweilen schwer erziehbarer, zumeist unterhalb seiner Möglichkeiten agierender 20jähriger, der für rund 8 Millionen aus Belgrad kam, sollte in den Sturm. Einer dieser Moves, die sagen: „Hiermit rechnet keiner, also mache ich das, ich Fuchs, sichere damit Ziel X und werde damit großartig berühmt und zum Gesprächsthema Nummer 1.“ Das mit dem Gesprächsthema hat funktioniert; der Rest nicht ganz.

Das Experiment dauert genau eine halbe Stunde. Ljajić wirkt fehl am Platz und wird nach zwei Dritteln der ersten Halbzeit vom frustrierten Rossi ausgewechselt. Ljajić ist stinksauer, meckert Richtung Trainer. So weit, so bekannt. Nur das es nicht beim gegenseitigen unkontrollierten Anschreien bleibt: Ljajić meckert, Rossi dreht sich um — der Rest geht in der Geschichte unter.

Es hätte ein gutes Drehbuch sein können: Existenz gerettet, Akt 1 absolviert. Nächste Saison dann Akt 2: Die Rückkehr nach Europa. Allein, die zweite Staffel der Fortsetzungsgeschichte mit ungewissem Ausgang wird ohne den bisherigen Hauptdarsteller stattfinden.
Vielleicht wollte Rossi mehr von seiner Mannschaft, schon dieses Jahr.
Vielleicht wollte er ein Zeichen setzten, eines dieser markigen Nicht-mit-mir-Statements, zu denen sich Trainer jenseits der 50, deren Karrieren ins Nirgendwo zu driften drohen, bisweilen genötigt fühlen.
Vielleicht diente ihm Franck Ribéry als Inpiration.
Und vielleicht, ganz vielleicht, ist er bloß ein Idiot.

2. Abteilung Traumtor für den Traumverein: Tschüss, Newcastle

Eigentlich hätte es eine Lobhudelei werden sollen. Was auch sonst, nach Toren wie diesen. Eigentlich hätte Papiss Demba Cissé hier der Flatterball-Ritterschlag auf dem Weg zum Weltstar erteilt werden sollen. 13 Tore in 13 Spielen, eins wahnsinniger als das nächste, eins vom anderen Stern, das nächste von der Galaxie nebenan. Eigentlich. Eigentlich deswegen, weil für Newcastle United nun der Geschmack der triumphalen Überraschungssaison einen allzu bekannten bitteren Beigeschmack erhält.

Demba Ba, Newcastles anderer senegalesischer Stürmerstar, hatte es vorgemacht. Bereits vor rund einem Monat — also mitten in den Moment, als sich bei Newcastle die frühsaisonale Euhporie festigte und zur ernsten Hoffnung auf einen europäischen Platz wurde — verkündete Ba, dass Paris St. Germain sein Traumclub sei. Das löste verständlicherweise das erste Ächzen aus, über die Großen, die einem die besten Spieler klauen. Es schwang aber auch ein Stück Gleichgültigkeit mit: Cissé war gerade auf besten dem Weg, Demba Bas Heldentaten aus der Hinrunde wie eine Vorspeise zum eigentlichen Stürmerhauptgang aussehen zu lassen. Außerdem Ba war dank Ausstiegsklausel für genau 0 Euro von West Ham gekommen und dürfte eine hübsche Ablöse bringen, die man, jetzt wo Cissé da war, in eine Verbesserung der Mannschaft stecken könnte.

Damals wusste noch niemand von der nächsten Ausstiegsklausel, die Bas Berater scheinbar auch in seinen aktuellen Vertrag hineinmanowrieren konnten. Aber ach, was soll’s, dachte man, immerhin hatte Newcastle noch Papiss Demba Cissé, demnächst Weltstar. Weltklassetore im Gepäck, Champions-League-Qualifikation tatsächlich noch möglich, Stimmung weiterhin gut: Bis gestern. Gestern nämlich reihte sich auch Cissé in die lange Reihe der Fußballer ein, die auf dem Moment ihres ersten Ruhms einen Traumverein in aller Öffentlichkeit entdecken, obwohl sie sich beim aktuellen Verein ja total wohl fühlen und so. Cissés Lieblingsclub, natürlich bereits seit er ein Kind ist, ist scheinbar Real Madrid.
Noch ist natürlich nichts spruchreif, weder bei Ba noch bei Cissé. Alles ist möglich, sagt das Phrasenschwein und grunzt. Es mag ja immer noch sein, dass diese Saison als die größte seit dem Rücktritt von Alan Shearer in die Vereinsgeschichte eingeht. Es mag auch sein, dass der Verein die Champions League Qualifikation schafft und nächstes Jahr nochmehr Geld zur Verfügung hat und einen ohnehin schon schlagkräftigen Kader weiter verstärkt und die Tabellenspitze gefährdet und in Europa was reißt und danach Meister wird und Cissé Messis Torrekord gefährdet und … und so.

Mag aber auch sein, dass es das schon war mit der Herrlichkeit; eine jener Überraschungssaisons, die uns hier oder dort alle paar Jahre unterkommen, die wir bejubeln, die uns träumen lassen — und die auch ihre Protagonisten träumen lassen, von mehr Geld, mehr Ruhm, größeren Clubs. Mag sein, dass es bloß die Saison war, in der Papiss Demba Cissé dieses, jenes, das fantastische Tor schoß — und dann zu Real Madrid wechselte.

 


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