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Trainer und durchgehende Gäule

Das Saisonende naht und die Nerven liegen vielerorts blank. Gerade von Trainern wird in dieser Situation verlangt Souveränität auszustrahlen, nur gelingt dies nicht immer.

Geschrieben von Herr Salzmann am 05.05.2012 um 14:37 Uhr
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Nirgendwo hat sich das deutlicher offenbart, als am Mittwoch in Florenz. Der Trainer der sich im Absteigskampf befindenen Florentiner, Delio Rossi, hatte den offensiven Mittelefeldspieler Adem Ljajić wegen Personalmangels im Sturm aufgeboten. Das serbische Talent hatte eine desolate Leistung geboten, worauf Rossi in der 32. Minute beim Stand von 0:2 gegen Novara mit der Auswechslung von Ljajić reagierte. Der Spieler quittierte diese mit höhnischem Applaus, nach oben gestreckten Daumen und flotten Sprüchen. Rossi reagierte mit Faustschlägen.

Die Disziplin in der Mannschaft soll schon lange flöten gegangen sein, die Spieler tanzen auf den sprichwörtlichen Tischen, selbst wenn der Trainer im Haus ist. Rossis Vorgänger sagte über Ljajić das er „zu viel Nutella isst und zu viel Playstation spielt“. Sein Mitspieler Alessio Cerci, dessen Freundin die Fans von Florenz nach Niederlagen mehrfach auf Facebook provoziert hat, parkte letzte Saison seinen Maserati auf einem Parkplatz, der für die Polizei reserviert war und reagierte auf die Aufforderung der Beamten sein Auto umzuparken mit den Worten „erst esse ich, dann bewegen ich mein Auto“.

Schlüsselspieler wie Riccardo Montolivo und Juan Manuel Vargas sind in dieser Saison weit unter ihren Möglichkeiten geblieben und direkt vor dem Spiel am Mittwoch soll Houssine Kharja wegen seiner Nichtberücksichtigung eine Tür eingetreten haben und aus dem Stadion abgehauen sein. Die Fans hatten die faxen der Mannschaft offenbar so dicke, dass sie nach Rossis Ausraster sangen: „Delio, gib ihnen Prügel.“

Die Mannschaft drehte das Spiel – mit Rossi an der Seitenlinie – noch auf 2:2, der Coach wurde nach dem Spiel entlassen. Klubpräsident Andrea Della Valle sagte: „In meinen zehn Jahren im Fußball war dies meine schwerste Entscheidung – Rossi hat so etwas in seinem Leben noch nicht getan. Aber innerhalb von ein paar Sekunden brachen Monate des Stress aus ihm heraus. Er wurde provoziert, aber keine Provokation, noch nichtmal eine ernste, kann diese Sekunden rechtfertigen.“

Rossi ist nicht der erste Trainer, dem die Gäuler durchgegangen sind. Es hat bereits Zeiten gegeben in denen ähnliche Vergehen nicht die Kündigung bedeuteten. Der Trainer von Pescara, Tom Rosati, wurde während eines Spiels gegen Como in der Saison 1983/84 gegen Vittorio Cozzella handgreiflich. Der Übergriff damals scheint schnell vergessen gewesen zu sein. Rosati behielt nicht nur seinen Job, sondern stellte den Spieler in der nächsten Woche auch wieder in seine Startelf.

Nachdem Fans des zweimaligen Gewinners des Pokals der Landesmeister, Nottingham Forest, nach einem Spiel gegen QPR das Feld stürmten, versuchte Brian Clough diese eigenhändig vom Platz zu prügeln. Die umstrittene englische Trainerlegende wurde dafür für den Rest der Saison gesperrt.

Ümit Özat, 41facher Nationalspieler der Türkei und ehemaliger Spieler des 1. FC Köln, machte mit einem ihn attackierenden Fan kurzen Prozess.

Nächste Saison werden sich José Mourinho und der nach Pep Guardiolas Rücktritt zum Cheftrainer beförderte Tito Villanova an der Seitenlinie gegenüber stehen. Wie sich die beiden beim Clásico begrüßen wird hoch interessant, nachdem Mourinho dem Assistenztrainer beim Super Copa Anfang der Saison ins Auge griff.

In dieser Liste fehlen darf natürlich auch nicht Norbert Meiers Kopfstoß und anschließender sterbender Schwan gegen Albert Streit. Der ehemalige Duisburger Trainer könnte das potentiell bevorstehende Relegationsduell als Chef von Düsseldorf gegen Köln zusätzlich befeuern.


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