Posts Tagged ‘Arsène Wenger’

Flatterball #58 — Es wird Zeit

Monday, February 20th, 2012

Hat nach der Festung Betzenberg und dem Königreich Griechenland nun auch den Freistaat Berlin annektiert: König Otto I. (Foto: dpa)

An vielen Stellen wird es, mehr als sprichwörtlich, Zeit.

Für die Bayern z.B. wird es Zeit, die Tabelle einmal ganz genau in Augenschein zu nehmen. Die Berliner wiederum wären gut beraten, in all dem rehaklischen Freudentaumel mit dem Errichten von Statuen zumindest solange zu warten, bis der neue Regent das erste Mal an der Seitenlinie stand.
Währenddessen läutet der Karnvalsadel zu Köln die alljährlich-jecken Tage ein, beginnt der Geldadel in London die etwas andere russische Revolution, knöpfen sich die Davids die Goliaths im FA Cup vor (und bisweilen auch umgekehrt).
Und sonst? Sonst wird es für die holländischen Demnächst-Weltmeister von 1978 Zeit, den Champagner kalt zu stellen, wird es Zeit für die Glasgow Rangers, dem Konkursverwalter die Tür zu öffnen, wird es Zeit für Arsène Wenger, das Projekt Arsenal zu überdenken.
Dazu ein ausgedehntes Kuriositätenkabinett und musikalische Schmankerl Bishop Allen, Einstürzende Neubauten, den Midnight Juggernauts und den White Stripes.

Flatterball #54 — Alles auf Anfang

Monday, January 23rd, 2012

Stellvertretend für Gladbach und Schalke: Europas größter Fanblock, so eng beisammen wie die Bundesligaspitze -- den Zuschauern (außerhalb von München) darf's recht sein.

Vollbracht! Die Bundesliga ist in die Rückrunde gestartet und die zur Hälfte kränklich näselnde Redaktion feiert diesen Umstand ausgiebig.
Himmelsstürme der Borussen aus Gladbach und Dortmund, tattrige Bayern mit Fehlpass-Neuer, zähe Schalker — ein Meisterschaftsrennen aller-allererster Güte schickt sich an. Alles auf Anfang hierzulande, an der Spitze der Tabelle, am Fuß der Tabelle, in der Mitte der Tabelle.
Und noch mehr großer Fußball: da sind die Spanier, die zumindest zur Häfte den fantastillionsten Clásico des Jahres feiern — die Redaktion feiert deswegen Pep Guardiola und Dagobert Duck. Und da sind ist der Großraum Manchester, der seine Überlegenheit über den Großraum London feiert — die Redaktion feiert deswegen den supersten aller Sonntage und bespricht, nach all den Eskapaden, den Liverpooler Weg und den englischen Sonderweg.
Schließlich gab es auch abseits des Platzes Bemerkenswertes zu registrieren. Zum großen alten Thema ‘Druck im Fußball’ sind diese Woche gleich drei Interviews erschienen, die nachdenklich machen — drei Karrieenden, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch alle auf die ewigen Mechanismen des großen alten Kreislauf Fußball verweisen. Da war das Interview von Sebastian Deisler in der 11Freunde; dann das von Marcus Urban, unseres Gastes vom Februar 2011, bei 1Live; und schließlich das von Dean Windass, Hull Citys Held, der nach seinem kürzlichen Karriereende gleich zweimal (und Gott sei Dank erfolglos) versucht hat, sich umzubringen und nun darüber gesprochen hat.
Viel zu besprechen, nicht zuletzt (Kommando: Scheuklappen auf!) eure Kekszuschriften, liebe Hörer. Musikalische Unterstüzung liefern David Bowie, The Raveonettes, Postal Service, The Beta Band und Outkast.

Flatterball #50 — Heute, Kinder… Jahresrückblick, Teil 1

Monday, December 19th, 2011

Manche von uns sehen hier eine Überraschungsmannschaft -- der Herbstmeister aus München mit Spontanverabschiedung bei den Fans

Wenn Jubiläumsfolge und Weihnachtsfolge auf den gleichen Tag fallen, fällt es schwer sich kurz zu fassen.
So ist vielleicht eine Episode zu erklären, die mit allerlei Besonderheiten protzen darf — und mit Spielfilmlänge. Aber würde schon einen Film schauen, wenn er eine ordentliche Festtagsportion Flatterball haben kann? Dachten wir uns.
Auf dem Buffet liegen: viele, viele Outtakes, mit denen wir unsere eigene (gesangliche) Inkompetenz feiern; ausgedehnte Rückblicke auf die ersten Saisonhälften in den vier großen Ligen Europas; der Kampf des alten Europas gegen die (Ölmillarden-schweren) Fußballschwellenländer dieser Welt; ein Blick auf die Überraschungen und Enttäuschungen dieser Saison; und natürlich jede Menge vorweihnachtliche Stimmung.
Wer das hier durchhält, kriegt obendrauf einen Keks (Zuschriften bitte über die Kommentare).
Manchmal weihnachtliche Jubiläumsmusik machen Nouvelle Vague, der Der Rundfunk-Kinderchor Berlin mit dem Kammerorchester Berlin, The Coral, Aurora, Odette, Dominique Lacasa & Frank Schöbel, die Babyshambles, Johnny Cash und Bea & Loni.
Wir wünschen guten Appetit, viel Vergnügen und zwei wunderbare Festtagswochen.

Flatterball #48 — Einmal Nachruf, zwei mal Ausblick, vielfach Anspannung

Tuesday, December 6th, 2011

Der unwahrscheinlichste, der vergessene Held des Weltfußballs: R.I.P. Dr. Sócrates, Mediziner, Trinker, Kapitän

Die Losglücksfee meint es nicht mehr gut mit der deutschen Nationalmannschaft — zwei Hammergruppen bei der EM, dazu eine Entscheidung im Fall England gegen Europa in Nyon und viele, viele Endspiele in der Gruppenphase der Champions League: große Entscheidungen, großes europäisches Programm kommt auf uns zu.
Auch im nationalen Spielbetrieb wächst die Anspannung: Spitzenspielspieltag in Deutschland mit zwei starken Borussias, einem schwachen Werder und Alleinikows zweifachem Elfmeterklau; Atempause für das angeschlagene Chelsea in England; peinliches Inter, starke alte Dame aus Turin; und natürlich Vorfreude (zumindest bei der halben Redaktion) auf den ersten Ligaclásico des Jahres.
Und dann gibt es ja noch den Menschen des Monats; der Wanderpokal verlässt die fähigen Hände Mario Balotellis, entzieht sich trotz großer Anstrengung Joey Barton und wandert, keine Überraschung hier, zum Schweizer Funktionärsseriensieger, Sepp “Rassismus existiert nicht” Blatter.
Einziger, aber heftiger Wehrmutstropfen im kurios-alltäglichen Fußballallerlei dieser Woche: der viel zu frühe Tod von Sócrates Brasileiro Sampaio de Souza Vieira de Oliveira, oder einfach Sócrates, ehemaliger brasilianischer Nationalmannschaftskapitän, Diktaturgegner, Doktor der Medizin, Alkoholiker und Kettenraucher und mutig genug, seine politische Meinung offen zu vertreten (nicht wahr, Miro Klose).
Revolutionsmusik machen Bob Dylan, Regina Spektor, die Detroit Cobras, Jefferson Airplane, David Bowie und Emir Kusturica & The No Smoking Orchestra. Viel Vergnügen!

Flatterball #39 — Angekommen: Comebacks und Systeme, Kurioses und kleine Kinder

Monday, September 26th, 2011

"Der da hat se nicht mehr alle!" Kapitän Terry mit Fernando Torres, Jirji-Stainer-Fan und zum zweiten Mal in Folge Flatterballs Titelheld

Oh Fußballsaison, da bist du!
Wenn englische Wochen sich in den nationalen Ligen mit der Champions League abwechseln, dann weiß man, dass die Saison endlich angekommen ist, angekommen in ihrer ganzen chaotischen Pracht.
Angekommen in der Bundesliga ist auch der HSV, der sich unter Wendenfussel Cardoso ab jetzt Ü-Witze verbitten darf. Angekommen sind auch Solbakken und der Kölner Systemfußball sowie der Comebacker und Systemverweigerer Arjen Robben, der die bayuwarische Einträchtigkeit dribbelnd aufs Spiel setzen wird. Holger Stanislawski gibt sich derweilen pädagogisch und lässt seine kleinen Hoffenheimer mit der Herdplatte allein.
Weitergeht’s mit Owen Hargreaves, erneutem Comebacker und Verschöwrungstheoretiker gegen den Ärztestab von Manchester United. Und wieder weiter, mit Weltstarkreisklasseheld Torres, Fernando, der sich seinen Platz in der luftigen Höhe der Jirji-Stainer-Gedächtnisspiele erkämpft. Und während die zweifelhaften Ruhmestaten des ausgewanderten Spaniers nun schon auf YouTube millionenfach Nachahmer finden, gibt sich eine Reihe Daheimgebliebener beim Rütteln am Thron der ewigen Katalanen die Ehre. Die Rede ist von Valencia, die 90 Minuten lang den Aufstand proben, nur um sich danach der eigenen Unkonstanz geschlagen zu geben. Strahlende Sieger, natürlich: die Hattrickschützen Messi und Ronaldo.
Wer sonst noch wissen will, was Gladiatoren in Mailand so treiben, was die Dortmunder alles richtig machen und wie tödlich das Todesgruppentopspiel zwischen City und den Bayern am Dienstag wirklich wird, was Mario Balotelli mit der Mafia verbindet und warum am kommenden Wochenende Derbytime ist, warum in Zimbabwe gestohlene Busse zum Fußballpolitikum werden und was Liam Gallagher von den “tanzenden Pimmeln” seines geliebten Manchester City hält, der ist hier genau richtig.
Musik machen die Antennas, Emir Kusturica und sein No Smoking Orchestra, Oasis, die Bonzo Dog Doo-Dah Band, Modest Mouse und, aus gegebenem Anlass, gleich nochmal die Herren Gallagher und Band.

Flatterball #38 — Ereignisfußball

Tuesday, September 20th, 2011

Ein Bild, das Herr Salzmann sich stundenlang ansehen kann: Fernando Torres, Weltklassestürmer, nach einem der fantastischsten Fehlschüsse der jüngeren Vergangenheit. Die Heimfans reagieren mit vornehmer Zurückhaltung.

Ereignisreich war’s, das verganene Wochenende. In England zum Beispiel, wo Fernando Torres sich zuerst entscheidet, zur Weltklasse zurückzufinden und danach in die Kreisklasse hinabhüpft. Und das im Spiel der Spiele, dem gegen die Übermacht aus Manchester mit Namen United.
In Deutschland übrigens auch. Die Dortmunder spielen gut und kriegen auf die Mütze, die Bayern fegen weiterhin ohne Aufwand oder Gegentore die Konkurrenz hinfort, die Hamburger entlassen Michael Oenning – völlig überraschend, versteht sich.
Und in Spanien genauso. Da verliert Real Madrid – man höre und staune – ein Spiel gegen Levante. Da schießt Barca – man höre und staune nur bedingt – gleich 8 Tore. Da ist weder Madrid noch Barca nach Spieltag 3 unter der ersten zwei in der Tabelle.
Ansonsten sucht Lothar Matthäus einen neuen Job. Wer Vorschläge hat, schreibt diese in die Kommentare.
Mit Musik von Rex Allen, Sonny Curtis und Quartetto Cetra.

Flatterball #36 — Die Rückkehr der Kleinen

Monday, September 5th, 2011

José Mourinho inspiriert nun auch Schutzkleidung

Das Transferbeben ist verebbt und wir wagen einen kleinen Rückblick auf die gelungenen, die weniger gelungenen und die vom FC Arsenal getätigten Transfers in einer hektischen und fußballerisch nahezu ereignislosen Woche (ja, dazu zählt auch der Triumph der Achse Özil-Götze und das niederländische Gemetzel von wehrlosen San Marinern).

Was schließen wir daraus, daß Real Madrid sich schamlos an den Papst ranschmeißt, Philip Lahm Bücher schreiben lässt und Gigi Becali den Jihad verkündet? Genau. Wir brauchen wieder Ligafußball.
Musik von The Streets, Richard Cheese, The Trashmen und Pink Floyd.

Episode #35 — Fußballhauptstadt Manchester

Monday, August 29th, 2011

8:2! Acht zu zwei! Manchester United bringt im heimischen Old Trafford die Ära Wenger ins Wanken.

Geputzt, geschrubbt, poliert, gef… gefährlich nah an Übermacht: Manchester schlägt Nordlondon mit 13:3. Edin Dzeko schenkt den Spurs dabei gleich 4 ein, Wayne Rooney bringt es nur auf 3, seine Mannschaft aber auf insgesamt 8, was Arsenal London die schlechteste Defensivbilanz seit 115 Jahren und den Tiefpunkt der Ära Wenger beschert.
Währenddessen in Deutschland: ein Spitzenduell mit 0 Toren, 2 roten Karten und einer Kampagne pro National-Mario. Der andere Mario, Gomez also, schießt die Bayern derweil zurück in die Ernsthaftigkeit, die Hamburger schießen sich selbst gleich vier mal in den Fuß und das System Solbakken hat seinen ersten Erfolg zu verzeichnen.
In Spanien gab es zwei Hattricks und die Erkenntnis, dass auch Spiele ohne die großen Zwei sehenswert sein können.
Außerdem: türkische Experimente, die Auslosung der Champions League (inklusive Todesgruppe!) und natürlich Musik: von Oasis, den Cold War Kids, den Beatles und der fantastischen Etta James.

Episode #34 — Stur in die Krise

Tuesday, August 23rd, 2011

Weltklasse-Trainer in Action - Jose Mourinho bei seiner einflussreichsten Geste des zweiten Clásicos

Die Saison ist 3 Spieltage alt, grob geschätzt. Genug für den einen oder anderen Verein, um in aller sturen Ruhe in die erste Krise der Saison zu stoplern.
Der HSV zum Beispiel weigert sich, seine Probleme anders als mit aussortierten Chelsea-Reservisten zu beantworten; der FC Arsenal weigert sich, seine klaffendsten Kaderlücken anzugehen und verpflichtet weiter schmächtige Flügelstürmer aus Costa Rica oder Portsmouth; und José Mourinho, der sich in seinem Leben wohl noch nie entschuldigt hat, sieht “Schwänze”, wo sie sonst keiner sieht, und kneift beim zweiten Clásico der Saison Barcas Assistenztrainer ins Ohr. Oder ins Auge. Kontrovers.
Die Spanier streiken übrigens.
Außerdem Thema: die Kopflosigkeit von Luka Modric sowie die Titelchancen von Man U, Man City und der brillanten Borussia aus Mönchengladbach.
Musik machen Daft Punk, Element of Crime und die Detroit Cobras.

Episode #33 — Hättewärewenn

Monday, August 15th, 2011

Zurück in der Heimat -- Cesc Fabregas und das Ende einer dreijährigen Transfersaga

Zeit für das philosophische Prinzip des Fußballs, für die drei zentralen Worte des Weltsports: das Hättewärewenn und Anrollen der großen Ligen Europas. Beim FC Liverpool z.B steigt der Phönix aus der Asche auf, um kurz darauf wieder darin zu versinken. Auch bei den anderen Top Clubs in England regiert das Hadern — einzige Ausnahme: Manchester United, selbstverständlich. In Spanien steigt währenddessen der erste Clásico, der besonders für die überlegen Madrilenen eine ganze Reihe Fragen um den Humor der Fußballgötter zu bieten hatte.
Und das sind noch die harmlosen Hättes, Wäres und Wenns. In Köln wird direkt der Systemabsturz propagiert, und das, bevor ein System installiert gewesen wäre; in Dortmund wird gleich nach der verfrühten Meisterschaftsfeier von der kommenden Krise gemunkelt; und in London, in den Direktionszimmern des FC Arsenal, wird mit Cesc Fabregas der beste Spieler des Vereins in die Reihen der obszön übertalentierten Katalanen aus Barcelona entlassen.
Außerdem Kuriositäten: Mexiko macht sich gegen Klinsmann in die Hose, Joey Barton twittert und zitiert Nietzsche und der brasilianische Verband gibt sich brutal ehrlich.
Musikalisch zelebriert wird das Prinzip Lamentieren von den Goodies, den Kinks, Solomon Burke und den Ramones.